Folge 3 Luzia Emmenegger

Ein fruchtbarer Boden entsteht auch durch ein intaktes Bodenleben

Dritter Teil der Pro Simmental-Gartenreihe mit Luzia Emmenegger, Landwirtin (EFZ) mit Erfahrung im bio- und demeter-Anbau.
Die quirlige junge Frau ist ein Laub-Fan. „Laub ist gut im Kompost und auch auf dem Beet“ sagt sie und: „bei Laub vom Waldrand hab ich gleich noch nützliche Mykkorhiza-Sporen drin“. Myko-was? Denken jetzt viele, oder? Ja, heute wird es spannend…

Luzia Emmenegger kommt aus dem Luzernischen und kennt das Wohnen auf dem Berg („wir hatten über 30 min. bis ins Tal“). Sie lebt mit ihrem Mann Simon Zeller, den beiden Kindern und ihrem Garten etwas hinter Eschi, noch vor Reidenbach. Ich besuche sie heute, weil mir bei anderer Gelegenheit aufgefallen ist, dass die Frau was von Kompost versteht. Dieses Wissen gibt sie auch in Kursen weiter, den nächsten bietet die regionale Volkshochschule an.
Dank ihrer Berufserfahrung in bio und demeter kann sie naturnah gärtnern, sie braucht keine Dünger aus der Tüte. Weil Regen angesagt ist, fangen wir draussen an.

Salü Luzia, schön hast Du’s hier! Sag mal gleich, was wächst denn hier Üppiges?
Salü Catrin, merci. Das hier ist Winterblumenkohl, das will ich mal probieren. Ja, im Moment steht er sehr gut.

Wie hast Du denn das Beet gedüngt? (Die Pflanzen reichen mir bis über die Knie).
Kompost. Aus Mist, Rüst- und Gartenabfällen, Holzspänen. Und unser Boden hier ist eher lehmig, da hat‘s dann Tonminerale im schluffigen Anteil drin. Die speichern viel Nährstoffe.

Ja, Lehmboden speichert extrem gut. Einen Brennesselblätz kriegt man fast nicht weg und sie lieben ja feisten Boden..
Naja, etwas Brennessel darf es gerne haben – ich verwende sie auch im Kompost oder zum Mulchen auf dem Beet (solange sie noch nicht blüht). Beinwell übrigens auch. Da kann ich mir das Jauche-Ansetzen sparen.

Kompost finde ich sowieso sehr praktisch. Eine gute Verwertung vom organischen Abfall und düngen tuts auch noch..
Ja, unbedingt! Guter Kompost belebt ja den Boden, versorgt diesen Mikrokosmos mit Humus, das stabilisiert das Bodengefüge und speichert Wasser und Nährstoffe…

Dann muss ich Dir die Frage vom Umgraben gar nicht stellen?
Genau, ich grabe nicht um. Wenn ich die Bodenlebewesen so gut als möglich in Ruhe lasse, können sie am besten für mein Gemüse sorgen. Ich lockere höchstens ein bisschen. Bei guter Bodenbedeckung ist die Oberfläche meist schön krümelig. Übrigens: unsere Katze hat letztes Jahr leider ziemlich viele Spitzmäuse erwischt, dabei sind die so gut im Schnecken kurzhalten.. jetzt musste ich unsere Hühner auf die Schneckeneier-Suche schicken. Sie scharren natürlich alles weg…- fort ist meine Mulchdecke (lacht). Die empfindlichen Kulturen hab ich dann eben abgedeckt.

Ich stutze kurz. Schon g‘spässig, diese kleinen Zusammenhänge… die Natur ist eben komplex. Rund um uns wuseln Luzias Kinder, probieren da ein Stückchen Kohlblatt, klettern auf den Kompost, um wieder runter zu springen.. geniessen den Garten auf ihre Weise. Luzia, machst Du irgendwas Spezielles neben dem Kompost?
(Sie überlegt). Wenn Wildpflanzen aufkommen, gucke ich erstmal. Hier, probier mal die Nachtkerze, die ist fein! (hmm… stimmt). Und meine Pflanzensamen kaufe ich gerne Bio und damit nachbaufähig. Siehst Du dort drüben, jede Ecke voller Nüssler. Und dann achte ich ein bisschen auf die Energie. Wut und Schimpferei tun dem Garten nicht gut, die Pflanzen nehmen solche Schwingungen beim Wachsen mit auf. Gar nicht so einfach, wenn mir die Mäuse ab und zu was wegholen! Obwohl, die Maus heisst ja auch „Pflug des Bergbauern“, sagt sie und lächelt verschmitzt.

Inzwischen sind wir drin. - Hast Du mir noch ein paar Tipps für den Gartenalltag?
Klar, mulchen. Ich gebe dem Boden damit Schatten, behalte mehr Feuchtigkeit drin und füttere gleich meine Bodenlebewesen. Rainfarn gebe ich zerkleinert in die Kartoffelstauden, das vertreibt den Käfer. Und ist Dir schon aufgefallen, dass sich Schnecken besonders gern auf frische Setzlinge stürzen? Die, die von alleine im Garten wachsen, fressen sie nicht.
Für die Starkzehrer setze ich Leguminosen ins Beet, die bringen Stickstoff.
Und manchmal bringt mich der Garten auch ein bisschen zum Loslassen, ganz ehrlich. Eigene Ansprüche und Vorstellungen… mal beiseite lassen, die Natur macht dann schon was draus.

Wie schön, denke ich und nehme das gerne als Schlusswort. Es ist inzwischen auch höchste Zeit fürs Zmittag. Merci Luzia, für diesen interessanten Vormittag
Noch so gern. ...

Catrin Linke

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