Folge 2 Peter Hunziker

Weniger tun im Garten – bringt der Natur mehr!

Die Gartenreihe vom regionalen Verein Pro Simmental: wir fragen Einheimische, wie sie die Artenvielfalt in ihren Gärten fördern. Heute bin ich bei Peter Hunziker zu Gast. Er hat einigen Umschwung ums Haus, viele Obstbäume und die Hecke ringsherum macht aus seinem Anwesen eine Art Refugium. Die Hauswände sind klug genutzt für Spaliere, Kirsche, Birnen und Reben. Hm, dieses Aroma…

Salü Peter, schön, darf ich bei Dir sein! Leg los, ich bin gespannt auf deine Fragen.

Wenn ich so durch deinen Garten geh, kommt mir so einiges gut durchdacht und passend vor. Woher hast du dein ganzes Wissen?
Nun, das hier ist ja nicht mein erster Garten. In Hinterkappelen z.B. hab ich auch „gartnet“. Ich war bei einigen Kursen, habe drüber gelesen und beim Sepp Holzer war ich auch einmal (der Permakultur-Pionier). Beim selber Ausprobieren lernt man auch noch dazu, was zum eigenen Garten passt.

Genau. Was habt ihr denn für Boden hier?
Wir haben alten Moorboden, mit fast schwarzer Farbe. Der Nachbar drüben im Försterhaus hat schon deutlich mehr Lehm. Ausserdem gucke ich natürlich, dass die Oberfläche immer gut bedeckt bleibt. Das hält ihn schön krümelig. Das Unkraut z.B. lasse ich gleich im Beet liegen. Die Schnecken locke ich mit frischem Löwenzahn, am besten mit Wurzel dran. Den lieben sie und ich kann sie einfach ablesen.

Gräbst du eigentlich um?
Nein, gar nicht. Wenn ich frisch pflanze, nehme ich vorher die Gartenkralle. (Anmerkung: das Gerät hat unten 4 gebogene Zinken, die von oben per Hand im Kreis bewegt werden. Gäbiges Ding). Die Setzlinge ziehe ich meist selber, es braucht jedoch viel Platz und Zeit. Dafür hab ich eher Ersatz, falls die Schnecken zu hungrig waren.

Woran misst Du die Naturnähe in einem Garten?
Oh, das ist eine gute Frage! (Lächelt breit…) Ich ernte natürlich gern viel eigenes Gemüse, doch neben dran soll die Natur auch Platz haben. Du hast ja schon einige Brennesseln gesehen, von denen ernähren sich die Raupen einiger Tagfalter. Meine Blumen und Stauden lasse ich über den Winter stehen, dort drin überwintern die Insekten. Meine Rasenflächen mähe ich ca. 3 mal im Jahr, das genügt. Und dann lasse ich extra ein paar wilde Ecken, dort nehme ich eigentlich nur junge Bäumchen raus. Ich will ja keinen Wald!

Welchen Dünger benutzt Du?
Gemahlenes Vulkangestein. Früher als Biolith verkauft, jetzt heisst es Silidor. Und natürlich Kompost, da kommen alle Küchen- und Gartenabfälle rein. Dazu noch Laub, Grasschnitt und nochmal Silidor und Algenkalk.

Einen kleinen Weiher hast Du auch. Wieso sind die so in?
(Lacht…) Na, weil sie so gut reinpassen! Ich hab dort Erdkröten, Molche, Libellen… Stimmt, vorhin hat mich eine grosse Libelle richtig „angeflogen“ - … und ausserdem können Insekten und Vögel dort Wasser trinken.

Ein regelrechtes Naturparadies mit Gartenanteil hast du da!
Welches mir auch ganz schön zu tun gibt. Vielleicht verkleinere ich bald den Gemüsegarten, so viel essen wir zu zweit nicht mehr. Doch eigentlich geniesse ich es sehr, im Garten zu sein. Ich laufe dann so durch, gucke zu und beobachte… und bin wohl dabei. Wenn ich so zurückdenke, hatte ich immer ein, zwei Beete. Das Gärtnern tut mir einfach gut, glaub ich.

Das kann ich gut nachfühlen. Manche gehen in den Wald zum Durchatmen und andere in den Garten … Sag, hast du unseren Lesern noch etwas mitzugeben?
Ja. Bevor die Leute von Bauern oder Politikern „mehr für die Natur“ verlangen, sollen sie doch gern mit gutem Beispiel voran gehen. Ein Insektenhotel aufzustellen langt da nicht. Die Umgebung muss auch stimmen, sie müssen ja Nahrung finden. Und eine kleine unaufgeräumte Ecke im Garten schadet keinem.
Merci vielmals für das interessante Gespräch, Peter!
Gärn.

Mit sonnigen Herbstgrüssen, Catrin Linke

hunziker-garten-web