Folge 4 Susanna Krebs

Der Garten ist wie ein Spiegel seines Bewirtschafters

Der Winterteil der Pro Simmental-Gartenreihe beschäftigt sich neben den allgemeinen Themen des Gartenalltags mit dem Besonderen der Saison an sich. Kommen Sie mit auf eine kleine Reise nach Adlemsried, wir besuchen Susanna Krebs, eine Spezialistin für Heilpflanzen und ihre Anwendung.

Es ist eine besondere Stimmung an diesem Morgen in Adlemsried. Die Schneewolken hängen tief und schlucken alle Geräusche. Friedlich ist es hier. Drin im Haus blubbert der Küchenherd und verbreitet wohlige Wärme. Das Trockengeschirr auf dem Sitzofen ist voller Birnenschnitze, erinnert an die reiche Herbsternte.

Salü Susanna! Gemütlich ist es hier bei Dir. Nicht wahr?
Ja, ich feuere gern mit Holz. Komm doch hier an den Tisch.

Gärn. Also, ich schreibe ja über Gärten. Dich kennen ja viele als DIE Kräuterfrau, du baust sie auch selbst an. Wo hast du dann noch Platz für die Gemüsebeete?
Genau, viel Fläche nehmen die Heilpflanzen ein. Doch um die zwei Apfelbäume habe ich schon immer eine Baumscheibe gemacht, ca. 2m im Radius. Dort bleibt der Boden grasfrei und ich setze Kartoffeln und anderes Gemüse. Die Tomaten habe ich in Töpfen, im Herbst kommt deren Erde dann auf die Baumscheiben, zur Düngung und Aufarbeitung über den Winter. Aussen herum säe ich Nüssler, das ist jeweils sehr dekorativ!

Oh, das klingt spannend. Da musst Du auch nicht mit dem Rasenmäher unter die Bäume. Doch das Umgraben stelle ich mir schwierig vor.
(Lacht). Weil ich das gar nicht mache! Ich bewege den Boden nur soviel wie unbedingt nötig. Ständig da drin umägrüble, das brauchts nicht. Zum Lockern habe ich ein Gerät, das drehe ich an den Griffen oben im Kreis und unten lockern vier Zinken den Boden. Sehr gäbig, keine Rückenschmerzen.

Ich glaube, davon hat mir Peter Hunziker auch erzählt, ein wirklich tolles Gerät. Wie hast Du es mit der Düngung, bei dir ist ja ein Bauer in der Nähe, nimmst du auch Mist?
Ich mache selber Kompost, da kommt neben den Gartenabfällen, Entenmist, Kohle und Pflanzenaufbereitungen ab und an etwas Ziegenmist rein. Für meine Tomatentöpfe hab ich einen guten Aufbau gefunden: unten Bokashi, drüber ungewaschene Schafwolle, darüber dann eine Mischung aus Kompost, Gartenerde und Sand. Zuoberst noch etwas ungewaschene Schafwolle, das behält die Feuchtigkeit und minimiert den Beikräuterwuchs. Die Tomaten waren wunderbar diesen Sommer! Ich ziehe inzwischen Setzlinge aus eigenem Saatgut. Die passen dann zum hiesigen Klima.
Auf den Baumscheiben wachsen auch Heilpflanzen, die sich ihren Standort selber wählen (wie die meisten hier), ich unterstütze die Pflanzen in ihrem Wachstum, indem ich sie auslichte. So ist auch nicht Kraut und Rüben durcheinander und jede kann in ihrer Gestalt wachsen.

Du sprichst da ein wichtiges Thema an: das Klima vor Ort, der Standort…
Das ist natürlich wichtig! Der Standort und ob die Pflanze in „ihrer Kraft“ ist.

Aha? Das erklär mir mal näher.
(Sie lächelt). Ein ganz interessantes Thema! Also: wie die Pflanze gedeiht, hängt ja von einigen Faktoren ab. Zum einen die Pflanze selbst mit den arteigenen Ansprüchen, ihre Herkunft und mein Wissen zu ihren Eigenschaften und Ansprüchen. Klingt kompliziert? Ein Beispiel: die Angelikawurz, sie wächst gerne bisschen schattig und feucht darfs auch sein. Jetzt kaufe ich Samen von irgendwo her, säe das an ein sonniges und steiniges Plätzli und wundere mich, dass nicht viel wächst. Oder ich nehme einen mickrigen Setzling, weil er ja bio ist und deshalb so toll. Beides wird nicht gut geraten. Nochmal in Kürze: die Pflanzenansprüche und der Standort müssen passen, auch die Fitness des Setzlings und mein vorhandenes Wissen dazu. Und dann passiert das Wunderbare und ich habe so gut wie keine Krankheiten.

Wow. Ich bin überwältigt. So einfach ist das?
Ja. Na gut, effektive Mikroorganismen (EM) helfen mir seit Jahren im Garten, ich mache selber EM und Bokashi (beides belebt den Boden) und eigenen Kompost. Das bietet schon mal eine gesunde Grundlage. Und ich kann ja Krankheiten mal als Zeichen verstehen, dass es der Pflanze an etwas fehlt. Wir Menschen erkälten uns auch gerade dann, wenn wir viel um die Ohren haben.

Ja, das erscheint mir logisch. Gleichzeitig öffnet sich mir ein kleines Universum an Wissen und Möglichkeiten. Mir wird auch klar, wieso der Federkohl auf meiner Terrasse praktisch den GANZEN Sommer Läuse hatte. (Viel zu trocken und zu heiss.) Über dein grosses Wissen zu Heilpflanzen haben wir noch gar nicht gesprochen!
(Sie schmunzelt). Ja, Catrin, das füllt dir locker einen Vormittag…

Hm, also machen wir eine Fortsetzung? Wieso nicht? Der Winter steht ja vor der Tür. Da gibt es einige passende Pflänzli.

Dann wünsche ich Dir und den Lesern ein paar schöne Schnee-Wundertage!

Catrin Linke

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